Liebe mal blind?
In einer Zeit, in der man sich immer häufiger in den virtuellen Weiten des World Wide Web bewegt, ist es nicht verwunderlich, dass auch Dating 2.0 hoch im Kurs steht. Warum auch nicht - alles andere macht man schließlich auch online. Allerdings hat man im Netz oft Angst vor der sprichwörtlichen Katze im Sack. Wer verbirgt sich wirklich hinter dem Foto?
Während KissNoFrog auf Video-Chats setzt, um der Anonymität im Internet entgegenzuwirken und Online-Dater vor bösen Überraschungen zu bewahren, scheint es im wahren Leben einen neuen Trend zu geben: Blinde Kuh für Erwachsene. Ähm, ich meine natürlich Blind Dates - und zwar wortwörtlich. So haben sich zwei junge Männer in Berlin zusammengesetzt und ihre Dating-Idee verwirklicht, bei der sich Menschen kennen lernen, während sie eine Augenbinde tragen - also für den Moment „blind" sind. Man entscheidet dann nach 8 Minuten, ob man sein Gegenüber wieder „sehen" möchte.
Jörn Neubauer und Stefan Tolkmitt veranstalten regelmäßig „Dating in the Dark" in einem Club in Berlin. Der Gedanke dahinter: „Es geht darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, jemanden kennen zu lernen, ohne ihn in Schubladen zu stecken; ihn nicht anhand von Klamotten, Schmuck und seiner Nase einordnen zu können. Ich glaube an Liebe, die frei von Äußerlichkeiten ist. Und ich möchte alle anderen missionieren. Jawohl. Aussehen wird überbewertet, schließlich ist es nur eine der vielen Komponenten, die darüber entscheidet, ob Menschen sich verlieben", so Jörn.
Aber genau das ist es: Eine Komponente, die beim Verlieben ebenso eine Rolle spielt wie die Stimme, der Geruch, gemeinsame Interessen etc. Man verliebt sich AUCH aufgrund des Aussehens in jemanden. Genau deshalb setzt KissNoFrog auf Video-Chats, in denen man den Gesprächspartner live erleben kann. Möchte man nicht wissen, mit wem man sich gerade unterhält? Ist es nicht sogar gefährlicher, eine Person im Dunkeln darüber zu lassen, wie man aussieht? Man lernt sich also kennen, ohne den anderen zu Gesicht zu bekommen und macht sich automatisch ein Bild von seinem Gegenüber. Man findet sich sympathisch und entscheidet, sich wirklich zu sehen. Und BUMMMMM! Die Luftblase zerplatzt und es steht eine völlig andere Person vor einem, als man erwartet hatte - und nun? Sind all die anderen Komponenten stark genug, um die Enttäuschung aufzufangen? B.Z.-Reporterin Evelyn Rosar hat „Dating in the Dark" getestet und berichtet von ihrem Erlebnis. Erst ist ER es. Doch mit nur 1,70 statt der erwarteten 1,90 lässt uns die Reporterin im Dunkeln darüber, ob es ein Wiedersehen mit Alexander geben wird... Und auch der Veranstalter räumt ein, noch nie mit einer Frau zusammen gewesen zu sein, die er nicht attraktiv fand.
Eigenartig ist es auf jeden Fall, dass Blind Dates im Zeitalter des Web 2.0 überhaupt angenommen werden. Beim Online-Dating wird nach wie vor die Anonymität und das Vorgaukeln falscher Tatsachen bemängelt. Und jetzt soll genau das der Trend für „persönliche" Treffen in der realen Welt sein? Also: Virtuell alles offen legen und sonst mit Scheuklappen durchs Leben...
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