Wie überlebe ich einen Abend allein unter Paaren?
Vor einigen Tagen habe ich mich mit einem Freund darüber unterhalten, wie man sich als Single unter Paaren fühlt – meist einsam. Jedenfalls ist das bei ihm so und wohl auch vielen anderen Menschen. Normal, oder? Wer ist schon gern von verliebten Pärchen umzingelt, wenn man sich selbst nach Liebe und Zuneigung sehnt, diese Dinge aber nicht bekommt – aus welchen Gründen auch immer. Er sagte, er ertrage es nur schwer, diese Liebkosungen und Liebeleien auf Dauer zu ertragen und meide daher eher die Gesellschaft seiner liierten Freunde, jedenfalls dann, wenn sie zu zweit auftreten. Ich muss dazu sagen, dass ich als Single eher entspannt an solche Dinge herangehe. Natürlich sehne auch ich mich ab und an nach Zweisamkeit, allerdings nicht auf Biegen und Brechen. Ich kann auch gut MAL allein sein und bin nicht von meinen verliebten Freunden angewidert oder fühle mich wie das fünfte Rad am Wagen. Aber wie gesagt: MAL.
Wenn ich mich allerdings in einer Beziehung befinde und ständig etwas ohne meinen Freund machen muss, dabei ständig von Pärchen umgeben bin, empfinde ich genau das, was Singles anscheinend in solchen Situationen empfinden: Ich kann es kaum ertragen, dass Herzchen durch den Raum schwirren und verspüre einen leichten Würgreflex, wenn viel geturtelt und getätschelt wird. In solchen Momenten frage ich mich eben, warum ich, obwohl in einer Beziehung, allein und ohne Liebkosungen in dieser Runde sitze… Wenn man dazu gehört und bei dem ganzen Liebestheater mitspielt anstatt nur zuzusehen, fühlt man sich doch auch gleich viel besser. Wer ist schon gern allein in einer Partnerschaft?
Wie meistere ich also eine solche Situation – gefangen zwischen perfekt einstudierten „Wir“-Äußerungen meiner Freunde, die jetzt wie siamesische Zwillinge mit ihren „besseren“ Hälften auftreten, als hänge ihr Leben und alles Glück darin davon ab, sich an so vielen Körperstellen gleichzeitig zu berühren wie möglich. In einem Wort: Anstrengend! „Wir fanden den Film auch ganz toll!“, „Wir freuen uns auch schon total auf Weihnachten.“, „Wir mögen keinen Spargel.“ – Sie hasst diese Art Filme, findet Weihnachten nervig und wünscht sich eine zwölf-monatige Spargelzeit, ähm, hasste, fand, wünschte… mein Fehler. Jetzt ist natürlich ALLES anders: „Wir“ können schließlich unsere Meinung auch ändern.
Was also tun, wenn man sich diese Geplappere antun muss? Ist es eine größere Runde, in der noch andere Individuen mit Dir im selben Boot – sprich, zumindest zu diesem Zeitpunkt allein – sitzen? So viel Glück solltest Du nutzen! Schnapp Dir ein (anderes) Opfer und tut Euch zusammen. Zu zweit ist man weniger allein. Lästert, wenn nötig, rollt bei jedem „Wir“ mit den Augen – der Andere weiß schon warum – und schon ist der Abend erträglich, vielleicht sogar sehr lustig. Bleibt einem aus unerfindlichen Gründen die Möglichkeit, sich mit einem anderen „Single“ zu verbünden, verwehrt und wird auf sich allein gestellt mit solch überaus reizenden Pärchen konfrontiert, bleiben nur zwei Möglichkeiten: 1. Die Flucht! Klingt vielleicht ein wenig übertrieben, kann aber in bestimmten Momenten die eine oder andere Freundschaft retten, denn – siehe Option 2: Sarkasmus… Wenn ich niemanden habe, der mit mir leidet, muss ich das Beste daraus machen und mit mir selbst „lustig“ sein. Mit Randbemerkungen wie „Ach, wir mögen plötzlich keinen Spargel mehr?“ kann man wunderbar den Geisteszustand seiner Freunde überprüfen und sich amüsieren oder eben auch aufregen. Das kommt ganz auf die eigene Stimmung zu der besagten Stunde an. Sind die Turteltäubchen zu unerträglich, sollte man wirklich Option 1 in Betracht ziehen, da Option 2 früher oder später zur Eskalation führen könnte. Und wir wollen doch, dass die Freundschaft das „Wir“ überlebt, oder?
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