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Er liebt mich, er liebt mich nicht…

15. Februar 2010 um 18:34

Wir alle haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie man Liebe zeigt. Stimmen diese Vorstellungen zweier sich liebenden Menschen nicht überein, kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Im schlimmsten Fall zweifelt die eine oder andere Person sogar an der Liebe des Partners und fragt sich, ob sie wirklich geliebt wird oder es sich vielleicht nur um leere Worte handelt. In ihren Augen sprechen die Taten des anderen jedenfalls eine ganz andere Sprache.

Vor einigen Jahren lernte ich einen Mann kennen, dessen Ex-Freundin sehr, wie soll ich sagen, „mütterlich“ war. So schmierte sie ihm als Zeichen ihrer Liebe Brote, massierte ihm die Schultern, wenn er am PC saß – schließlich studierte er hart – und betüdelte ihn auch sonst von vorne bis hinten. Dagegen ist ja im Grunde nichts einzuwenden. Jeder so, wie er bzw. sie es mag. Das Problem war allerdings, dass er genau diese Dinge von mir erwartete. Zwar hat er das selten direkt geäußert, mir aber immer wieder vorgeworfen, ich hätte kein ehrliches Interesse an ihm. Ich traute meinen Ohren nicht! Ich schrieb ihm Karten, verbrachte fast jede Pause zwischen meinen Seminaren – ich studierte ebenfalls hart – mit ihm (ich musste zu ihm kommen, er machte sich diese Mühe in der kurzen Zeit nicht), kümmerte mich um ihn und seine Lerngruppe, indem ich sie mit Frühstück überraschte etc. Ich legte mich wirklich ins Zeug und er besaß die Frechheit, an meinen Gefühlen für ihn zu zweifeln!? Das konnte ja nicht funktionieren… Als ich ihm all diese Dinge und noch viele mehr aufzählte, gab er zu, sie seien ihm nicht aufgefallen – sie „zählten“ in seinen Augen nicht, da er immer auf das „Brot“ gewartet hatte, das nicht kam. Er war blind und versteift auf die Dinge, die er kannte.

Wie Ihr vielleicht schon ahnt, fand diese „Geschichte“ ein Ende, bevor sie richtig begonnen hatte. Natürlich hat jeder von uns bestimmte Erwartungen an eine Beziehung. Allerdings sollten wir uns nicht selbst einschränken und behindern, indem wir nur bestimmte „Aktionen“ als Liebesbeweis akzeptieren. Jeder sollte seine Erwartungshaltung betrachten und nicht von vornherein ein bestimmtes Verhaltensmuster bei seinem Partner voraussetzen. Wartet man auf ganz bestimmte Sachen, verbaut man sich die Sicht auf andere schöne Dinge, die der Partner tut, um einem seine Liebe und Zuwendung zu demonstrieren. Wir erwarten also spezielle Ereignisse und sind enttäuscht, wenn diese nicht eintreten. In der Zwischenzeit reißt sich unser Gegenüber ein Bein aus und wir sehen es nicht einmal, da wir mit Warten beschäftigt sind. Wir sollten uns also lieber überraschen lassen und nicht an alten Vorstellungen festhalten und uns damit selbst den Blick versperren.

Unkonventionell kann schön sein, wenn wir es erkennen. Damit meine ich nicht, dass man immer etwas Ungewöhnliches tun muss, um seine Gefühle zu offenbaren. Was für uns normal ist, kann für den Menschen, den wir lieben allerdings völlig neu und außergewöhnlich sein. Die Zeichen und Signale, die wir senden, sind unterschiedlich und nicht jeder folgt einem vorgefertigten Muster. So gibt es natürlich Standards, die meist Volltreffer sind, doch beweist ein Blumenstrauß genauso wenig wie eine Stulle – was nicht bedeutet, dass man sich nicht darüber freut. Erwartet man aber genau das und bekommt es nicht, ist die Enttäuschung und die daraus resultierenden Zweifel an der Liebe des anderen vorprogrammiert. Lasst also los und öffnet Eure Herzen und Augen für die unendlich vielen Arten und Weisen, auf denen Euch Liebe begegnet. Ihr werdet Euch wundern, was Ihr alles zu sehen bekommt…

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